28.11.2022

Der Shishya-Campus liegt am Fuss des Himalayas in der Nähe der Stadt Dehradun und ist das Zuhause von jungen Männern und Jungen. Hier haben in der Vergangenheit zahlreiche Lebensgeschichten eine Wendung genommen. Jungen aus zerrütteten Familien verliessen diesen Ort als selbstbewusste, unabhängige junge Männer mit hoffnungsvollem Blick in die Zukunft. Shishya ist einerseits ein Heim für etwa 35 Jungen, andererseits aber auch eine lokale Schule mit gegen 1’000 Schülerinnen und Schülern. Durch die externen Schüler hat die Schule die Möglichkeit, in die Region hineinzuwirken.

Wechsel in der Heimleitung
Vor drei Jahren kam Rejoe als Geografielehrer zu Shishya. Er plante nicht in den Heimalltag einzusteigen, doch als die damaligen Gruppenleiter das Heim kurzfristig verliessen, nahm er die Herausforderung an. Als Bezugsperson der Teenager wurde er von den Jugendlichen anfangs auf Herz und Nieren geprüft. Rejoe begegnete ihnen immer wieder mit Liebe und Vertrauen. Nun wird Rejoe weiterziehen. Wir sind dankbar für die Zeit, in der er Teil von Shishya war und wünschen ihm für seinen weiteren Weg das Allerbeste. Eine junge Familie, Dalbir und Zareena mit ihrem Sohn Jared, kam im September 2022 zu Shishya als Antwort auf eine lange Gebetszeit. Sie werden bald als Heimeltern die Gesamtverantwortung für die Jungs übernehmen. Für die Jungen ist es ein grosser Gewinn, dass Dalbir und Zareena mit Jared künftig ihr Familienleben mit ihnen teilen werden. Wir sind überzeugt, dass sowohl Mutter- und Vaterfigur wichtig sind für ihre persönliche Entwicklung und ihr eigenes Verständnis von Familie.

Fussballfieber
Die Jungs von Shishya lieben Fussball leidenschaftlich. Letzthin nahmen sie als Mannschaft an einem Turnier teil. Ihr sportliches und faires Verhalten neben dem Platz fiel sehr positiv auf. Ein Gegnerteam wurde nach ihrer Niederlage richtig aggressiv und ging auf die Shishya-Jungs los. Doch diese liessen sich nicht provozieren und zeigten sich im Gegenzug auch nach einem verlorenen Match als faire Verlierer. Zum Schluss wurde das Shishya-Team sogar Gesamtsieger. Die Freude darüber war gross. Doch unabhängig von Sieg oder Niederlage – das Turnier war so oder so ein Gewinn.
Geschichten von Schulabgängern
Die Wege, welche die jungen Männer nach ihrer Zeit bei Shishya einschlagen, sind sehr unterschiedlich:
Samuel verlor seine Eltern und kam für die beiden letzten Klassen (11. Und 12. Klasse) ins Heim und besuchte die Shishya Schule. Nun kann er bei Verwandten wohnen und freut sich auf seine Zukunft.
Ashish macht ein Zwischenjahr. Er nutzt diese Zeit, um unter anderem eine Kurzbibelschule zu besuchen. Er will mehr über das Leben als Christ lernen.
Shivam kam als kleiner Erstklässler in die Shishyaschule. Er wohnt im Dorf bei seiner Familie und hat die gesamte Schulzeit bei Shishya durchlaufen. Er hat einen neuen Lebenssinn gefunden und studiert nun Medizin an einem christlichen College.

Vijay macht ebenfalls ein Zwischenjahr und hilft als Freiwilliger in einem sehr abgelegenen Spital auf der Palliativabteilung. Für alle unserer Absolventen ist der Schritt weg von Shishya herausfordernd – ein Schritt aus der vertrauten, familiären Gemeinschaft in eine ungewisse Zukunft. Für Vijay jedoch war es besonders schwierig. Er fühlte sich sehr einsam während der ersten zwei Monate, doch nun hat er seinen Platz gefunden und will später die Ausbildung zum Krankenpfleger antreten.

Ashutosh kam wieder zurück zu Shishya. Er hat kürzlich sein drittes Jahr am College als Mathematikstudent abgeschlossen. Nun unterrichtet er an der Shishya Schule. Shishya bietet Studenten eine pädagogische Ausbildung in der Schule an, die das Erlangen des Bachelors in Pädagogik ermöglicht. Die neue Rolle war zuerst ungewohnt für Ashutosh. Er wurde nun wie alle Lehrer in Indien respektvoll «Sir» gerufen. Und dies an der Schule, in der er früher selbst unterrichtet wurde! Mittlerweile nennen ihn die Jungs liebevoll «Brother Ashutosh Sir».

Neue Gebäude
Wir begannen mit dem Bau der neuen Schulgebäuden für die 6.-12-Klässler bevor wir die Bewilligung für die Klassenführung hatten, im Vertrauen darauf, dass wir die Bewilligung erhalten würden. Der Bau sollte in drei Phasen erfolgen. Die dritte Phase ist mittlerweile bis auf wenige Details abgeschlossen. Eine zusätzliche vierte Phase soll das Schulareal zu einem Rechteck schliessen mit einem gedeckten Auditorium im Innenhof. Im Moment beschäftigt uns vor allem das grosse Dach, welches den gesamten, grossen Innenhof überspannen soll.
Viele Arbeitsstunden, Hartnäckigkeit, Verzicht auf Schlaf und unermüdliches «Dranbleiben» waren nötig, um die Bewilligung als Schule für die zusätzlichen Jahrgänge bis zur 12. Klasse zu erhalten. Doch der Einsatz von unserem Schulleiter hat sich gelohnt. In Schuljahr durften wir die erste Abschlussklasse begleiten im 12. Schuljahr. Wir freuen uns über diesen Erfolg.

Shishya
Shishya ist ein Wort in Sanskrit und beschreibt die Beziehung von einem Lehrer und seinem Schüler – von einem Guru mit seinem Jünger – es ist DAS Wort, welches eine wahre und gute Mentorbeziehung am besten beschreibt - so wie sie Jesus mit seinen Jüngern gelebt hat. Dies ist der Grund für den Namen unserer Arbeit. Die Bleistiftzeichnung stammt von einer Volontärin. Sie versuchte, die Bedeutung des Wortes Shishya in einem Bild festzuhalten.

Die Coronajahre brachten unsere Baupläne voran. Es war sogar einfacher, das Projekt voranzubringen, da unsere Schüler teilweise nicht anwesend waren. Aber auf der anderen Seite ging die Bedeutung des Wortes Shishya während dieser Zeit verloren. Viele Menschen starben. Shishya beschreibt eine Eins-zu-eins-Beziehung. Ein Lehrer mit seinem Schüler. Unser Name und unser Motto «Leben in Liebe» erwachen nun zu neuem Leben.







































































































































