19.05.2021
Als Inter-Mission unterstützten wir seit vielen Jahren eine kleine Schule im indischen Bundesland Westbengalen, im Nordosten des riesigen Landes. Viele Kinder aus sehr armen Verhältnissen bekommen so die Möglichkeit auf Schulbildung, was ohne unsere Unterstützung nicht möglich wäre.

Die Schule wird seit über 30 Jahren von Rebecca und Samuel geleitet. Rebecca ist ausgebildete Betreuungsfachfrau für Kinder, Samuel absolvierte eine theologische Ausbildung. Beide wuchsen in einem nicht-christlichen Elternhaus auf. Samuels Familie waren orthodoxe Hindus, sein Vater ein hinduistischer Heiler und Zauberer. Samuel kam 1975 zum Glauben an Jesus Christus. Die Zeit nach seiner Zuwendung zum christlichen Glauben war sehr schwierig für ihn, da seine Familie ihn nicht mehr als Mitglied betrachtete. Rebecca erlebte ähnliches in ihrer Familie. Sie wurde aus ihrer Familie (Hindupriester aus einer hohen Kaste) ausgestossen. Samuels regelmässige Gebete für seine Familie wurden erhört: seine Familie fand ebenfalls zum Glauben an Jesus Christus.

Die beiden heirateten 1986. Samuel hatte sich in seiner Ausbildung auf Gemeindebau konzentriert und hatte das Ziel, in Westbengalen neue Gemeinden zu gründen. Bei den Evangelisationsveranstaltungen kamen sie in vielen Dörfern umher und sahen die grosse Armut. Als junges Ehepaar bewegte sie die Situation dieser armen Familien tief. Die meisten Leute arbeiteten in den Teeplantagen und konnten trotz harter Arbeit kaum ihre Familien ernähren, geschweige denn für die Ausbildung der Kinder aufkommen.

So kam der Wunsch auf nach einer Schule für die Kinder aus den Familien in Armutsverhältnissen. Mit der Hilfe einer christlichen Organisation in Indien konnte dieser Traum dann verwirklicht werden.
Die Schule besteht nun schon seit rund 35 Jahren unter der Leitung von Rebecca und Samuel als Tagesschule. Die Kinder kommen morgens, essen in der Schule und gehen nach den Nachmittagslektionen wieder nach Hause. Weil die Schüler nach wie vor aus armen Verhältnissen kommen, ist gerade auch die gemeinsame Mahlzeit ein wichtiger Teil im Schulalltag. Sportanlässe und Exkursionen ergänzen den regulären Schulunterricht.

Werbung muss die Schule keine machen. Ihr guter Ruf hat seine Wirkung und die Eltern schicken ihre Kinder sehr gerne hin. Ziel der Schule ist es, den allerärmsten Kindern eine gute Schulbildung zu ermöglichen. Aus diesem Grund ist der finanzielle Beitrag der Eltern auch so, dass der Schuleintritt allen möglich ist. Die Arbeit der Lehr- und Betreuungspersonen ist mit persönlichem Verzicht verbunden – Verzicht auf einen hohen Lohn, Komfort, Bequemlichkeit und Wohlstand. Vielleicht gerade deshalb zeichnen sich die Mitarbeiter durch eine spezielle Hingabe aus. Diese Hingabe ist ein stummes, aber wirkungsvolles Zeugnis für ihren Herrn, dem sie dienen.
Neben dem Heim- und Schulbetrieb arbeitet Samuel als Pastor und Gemeindeleiter in verschiedenen Dörfern. Die Hauptgemeinde trifft sich in den Räumen der Schule und so ist das Gebäude die ganze Woche gefüllt mit Leben. Die Sonntagschule für die Kinder wird gerne besucht.

Armut ist immer noch eine sehr grosse Herausforderung, auch in der Gemeinde. Dort, wo Familien nicht genug Geld verdienen, um ihre Familie zu versorgen, ist es für viele auch schwierig, sich um die anderen zu kümmern und Nächstenliebe zu leben. «Wir sind einfach sehr dankbar, unserem Gott so dienen zu dürfen, wie wir es tun, auch wenn wir viele Nöte antreffen und teilen» - ein Satz von Samuel, der das Engagement des Ehepaars sehr treffend widergibt.
Philippe, der das Projekt bereits mehrmals besuchte, schildert seine Eindrücke von der Schule:
Wenn du zwei Wörter wählen darfst, um die Arbeit von Samuel und Rebecca zu beschreiben, welche sind es und warum?
Hingabe – Samuel und Rebecca ARBEITEN nicht für die Schule und die Gemeinden, sie LEBEN dafür. Die haben ein bescheidenes Auftreten, stellen sich nicht in den Vordergrund, verzichten auf vieles und tun fröhlich ihren Dienst für ihren Herrn.
Dankbar – Wer Samuel und Rebecca begegnet, der begegnet ihrer offensichtlichen Dankbarkeit. Die beiden arbeiten mit sehr knappen finanziellen Ressourcen, führen eine Schule mit vielen Kindern in sicher nicht optimalen Räumlichkeiten und strahlen vor allem Dankbarkeit aus, für das, was sie haben und was sie bewirken können.

Beschreibe uns doch mal die Schule
Die Schule befindet sich in einem ruhigem Aussenquartier in einer Kleinstadt, in der Nähe eines gross angelegten Teegartens. Als Zufahrt dient ein kleines Strässchen, welches in einem kleinen Platz endet. Der Platz wird von den Schülerinnen und Schüler als Pausenplatz genutzt. Dahinter steht ein sehr kleiner, einfacher, einstöckiger Bau – die Zweizimmerwohnung von Samuel und Rebecca. Unmittelbar daneben ist die Schule. Sie ist im Verhältnis relativ gross und zweigeschossig.

Das Erdgeschoss besteht aus einem Raum. Er dient als Schulzimmer für alle Kinder. Hier werden 80 Kinder von Kindergarten bis Ende Primarschule unterrichtet in verschiedenen Klassen. Der Raum ist durch Stellwände oder Wandtafeln etwas abgetrennt, sodass die verschiedenen Klassen ein eigenes Abteil haben. Im Obergeschoss sind die Räumlichkeiten der Kirche, die Samuel als Pastor leitet. Der Platz auf dem Dach wird am Sonntag für Sonntagschule genutzt und unter der Woche für den Schulunterricht.
Wie hast du die Kinder bei deinem letzten Besuch erlebt?
Wir erreichten die Schule nach Schulschluss. Die Kinder hatten auf uns gewartet und waren allen noch anwesend. So gesehen war die Situation sehr aussergewöhnlich und weit entfernt vom «normalem Schulalltag». Doch als europäischer Besucher wäre es auch zur Schulzeit fast nicht möglich, eine gewöhnliche Schulstunde zu erleben, weil schon der europäische Besuch sehr speziell ist. Die Kinder sangen ein paar Lieder und wir hatten kleine Geschenke für sie. Die Stimmung erlebte ich fröhlich zurückhaltend, so wie es der indischen Kultur entspricht. Ich hatte den Eindruck, dass sich die Kinder sehr gerne in der Schule sind und sich ihres Privilegs auch bewusst sind. Neben der Vermittlung von Schulstoff, lernen die Kinder auch christliche Glaubensinhalte und viele lernen Jesus persönlich kennen.

Was hat dich besonders beeindruckt?
Am meisten beeindruckt haben mich Rebecca und Samuel als Personen. Sie führen eine sehr gut funktionierende Schule mit dem Ziel, das Beste aus ihren Möglichkeiten zu machen und möglichst viele Kinder zu erreichen. Darin sind sie wahre Meister. Für Europäer ist es unvorstellbar, eine Atmosphäre des Lernens zu erreichen mit 80 Kindern im gleichen Raum, doch hier gelingt es. Samuel und Rebecca strahlen eine tiefe Zufriedenheit aus, obwohl ihr Leben von Verzicht gezeichnet ist. Die beiden haben keine eigenen Kinder, obwohl sie sich eine Familie gewünscht hätten. Rebecca stammt aus einer sehr angesehenen Familie und einer hohen Kaste. Sie hätte ein bequemes Leben gehabt, doch dadurch, dass sie Christin wurde, hat sie alle Privilegien verloren und lebt ganz einfach. Trotz allem Verzicht spürte ich keine Bitterkeit, sondern eine tiefe Zufriedenheit und Dankbarkeit.
Die beiden ergänzen sich sehr gut. Sie betreut die Schule, währenddem er hauptsächlich für die Gemeinden verantwortlich ist. Wenn Samuel in den Dörfern unterwegs ist, übernimmt Rebecca die Gottesdienste vor Ort und umgekehrt hilft er in der Schule aus, wo dies nötig ist. Rebecca beeindruckt mich als treue Beterin. Sie kann sich sehr gut Namen von Leuten merken und betet täglich für eine riesige Anzahl Menschen. Mich hat sie nach meinen Kindern gefragt – und sogar deren Namen hatte sie von meinem letzten Besuch noch gewusst.








































































































































